"Teil 2"
Der Anruf schreckte sie aus einem tiefen und wohltuenden Schlaf. Benommen griff sie nach dem Telefon auf ihrem Nachttisch und stieß dabei ein Wasserglas auf den Boden. Das Splittern des Kristalls ließ die letzten Fetzen eines Traumes aus ihrem Bewusstsein verschwinden. Sie war hellwach.
Das Telefon klingelte ein weiteres Mal und das schrille und beharrliche Geräusch rief Kopfschmerzen hervor, welche sie unweigerlich an die letzte Nacht erinnerten. Sie wollte jetzt mit niemandem sprechen, doch das Telefon wollte nicht schweigen.
Nach einem kläglichen Versuch in ihrer halb liegenden Position den Stecker aus der Wand zu ziehen, hob sie resignierend den Hörer ab.
Anrufer: „Anny? Anny Warshaw?“
Irgendetwas stimmte nicht mit der Stimme des Anrufers. Sie war seltsam verzerrt.
„Antworten Sie!“
Die Stimme hatte jetzt einen befehlenden Ton angenommen.
„Ja. Ja, mein Name ist Anny Warshaw. Wer sind Sie?“
„Sie werden mir jetzt genau zuhören Anny. Es spielt keine Rolle, wer ich bin. Sie kennen mich nicht.“
„Wenn das irgendein blöder Scherz sein soll ...“
„Ich sagte, Sie sollen zuhören. Es ist nicht an Ihnen, irgendwelche Fragen zu stellen.“
„Wie wäre es dann, wenn ich ganz einfach auflege.“
Mit einer ruckartigen Bewegung knallte sie den Hörer auf die Gabel und setzte sich nun gänzlich auf. Der Tag hatte so begonnen, wie der letzte geendet hatte. Beschissen. Als sie mit ihrer rechten Hand über die Linke strich, bemerkte sie, dass sie während des Telefonats eine Gänsehaut bekommen hatte.
Es lag an der Stimme. Sie war so ... „DRDRDRDR!“
Noch bevor sie den Satz im Geiste beenden konnte, schreckte sie das Läuten erneut auf.
Unentschlossen blieb sie auf der Bettkante sitzen. Zwischen dem Läuten des Telefons konnte sie das leise Ticken ihres Weckers hören. Das Rattern der vorbeifahrenden U-Bahn. Sie wartete eine Minute. Zwei. Drei. Von Mal zu Mal schien das Klingeln lauter zu werden und schließlich Griff sie erneut nach dem Hörer.
Sonntag, 20. September 2009
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