Montag, 15. Februar 2016

Der Anruf


"Teil 58"


Inzwischen hatte sie die Fahrt weit von jenen Straßen weggeführt, welche ihr geläufig waren. Sie waren in einem schäbigen Viertel am Rande am Rande der Stadt angelangt, dass ihr bisher nur aus Erzählungen bekannt war. Viele Migranten, hohe Arbeitslosigkeit, eine hohe Verbrechensrate waren hier zu verzeichnen. Dieser Stadtteil würde in keiner Tourismus-Broschüre aufscheinen. Ein Paradebeispiel für misslungene Integration und Ghetto-Bildung.
Plötzlich hielt der Wagen. Auf einem großen Parkplatz war er zu stehen gekommen.
Anny war unschlüssig was sie nun tun sollte.

Anny (an den Fahrer): Haben sie irgendwelche … nun … Instruktionen für mich?

Fahrer (ohne sich umzudrehen): Die Fahrt ist bezahlt. Steigen sie aus. Ich muss weiter.

Anny hielt kurz inne und überlegte, ob sie einen neuen Versuch starten sollte, ihm etwas zu entlocken, entschied sich aber dann dagegen.
Sie öffnete die Tür und stieg aus. Noch bevor sie sich umsehen konnte, war das Taxi mit quietschenden Reifen in der Nacht verschwunden.
Es gab hier nicht viel zu sehen. Einen kleinen 24h-Markt und eine nicht sonderlich einladend wirkende Biker-Kneipe am anderen Ende des Parkplatzes. Die zahlreichen Motorräder davor deuteten darauf hin, dass im Inneren durchaus Betrieb herrschen musste.
Sie wollte gerade ihr Glück im 24h-Markt versuchen, als ihr Handy klingelte. Eine SMS von Onkel Rellik.

SMS: Geh in die Bar!

Sie zögerte, dann schrieb sie zurück: Was soll ich dort?

Ein paar Sekunden verstrichen.

SMS: Unter dem Billard-Tisch ist eine kleine Nachricht für dich. Eine Dose. Darin findest du weitere Informationen.

Sie blickte sich erneut um. Falls Rellik sie beobachtete, dann war er äußerst geschickt. Sie konnte niemanden entdecken.

Sie atmete einmal tief durch und ging entschlossenen Schritts auf die Bar zu.