"Teil 58"
Inzwischen hatte sie die Fahrt weit von
jenen Straßen weggeführt, welche ihr geläufig waren. Sie waren in
einem schäbigen Viertel am Rande am Rande der Stadt angelangt, dass
ihr bisher nur aus Erzählungen bekannt war. Viele Migranten, hohe
Arbeitslosigkeit, eine hohe Verbrechensrate waren hier zu
verzeichnen. Dieser Stadtteil würde in keiner Tourismus-Broschüre
aufscheinen. Ein Paradebeispiel für misslungene Integration und
Ghetto-Bildung.
Plötzlich hielt der Wagen. Auf einem
großen Parkplatz war er zu stehen gekommen.
Anny war unschlüssig was sie nun tun
sollte.
Anny (an den Fahrer): Haben sie
irgendwelche … nun … Instruktionen für mich?
Fahrer (ohne sich umzudrehen): Die
Fahrt ist bezahlt. Steigen sie aus. Ich muss weiter.
Anny hielt kurz inne und überlegte, ob
sie einen neuen Versuch starten sollte, ihm etwas zu entlocken,
entschied sich aber dann dagegen.
Sie öffnete die Tür und stieg aus.
Noch bevor sie sich umsehen konnte, war das Taxi mit quietschenden
Reifen in der Nacht verschwunden.
Es gab hier nicht viel zu sehen. Einen
kleinen 24h-Markt und eine nicht sonderlich einladend wirkende
Biker-Kneipe am anderen Ende des Parkplatzes. Die zahlreichen
Motorräder davor deuteten darauf hin, dass im Inneren durchaus
Betrieb herrschen musste.
Sie wollte gerade ihr Glück im
24h-Markt versuchen, als ihr Handy klingelte. Eine SMS von Onkel
Rellik.
SMS: Geh in die Bar!
Sie zögerte, dann schrieb sie zurück:
Was soll ich dort?
Ein paar Sekunden verstrichen.
SMS: Unter dem Billard-Tisch ist eine
kleine Nachricht für dich. Eine Dose. Darin findest du weitere
Informationen.
Sie blickte sich erneut um. Falls
Rellik sie beobachtete, dann war er äußerst geschickt. Sie konnte
niemanden entdecken.
Sie atmete einmal tief durch und ging
entschlossenen Schritts auf die Bar zu.