Mittwoch, 18. Juli 2012

Der Anruf


"Teil 25"


Ihr erster Impuls bestand darin, auf dem Absatz kehrt zu machen und das Weite zu suchen. Sie zögerte. Nun war sie schon mal hier. Sie konnte immerhin einen flüchtigen Blick in die Wohnung werfen. Sie brauchte nicht einmal hineinzugehen. Nur die Tür ein wenig aufschieben und …
  
Mit einem leisen Knarren schwang die Tür nach innen auf. Das Knarren kam ihr in der Stille des Flurs unheimlich laut vor. In ihrer Fantasie hatte sie sich eine verwüstete Wohnung ausgemalt. Anstatt Chaos, hatte sie einen säuberlich aufgeräumten und hellen Eingangsbereich vor sich. Erneut machte sich Verwirrung breit.

Sie überwand ihre Scheu und setzte den Fuß über die Schwelle. War der Flur nach der Wohnungstür noch etwas schmal und leicht beengt, öffnete sich dahinter ein großes, geräumiges und hohes Wohnzimmer mit großzügiger Glasfassade. Auch hier deutete nichts auf einen Einbruch hin. Keine durchwühlten Schubladen, kein Durcheinander.
Was hatte das zu bedeuten?
Sie wollte gerade weiter in die Wohnung vordringen, als ein Geräusch sie aufschreckte. Hatte sie sich getäuscht. Spielten ihr ihre angespannten Nerven einen Streich?
Wieder ein Knarren, dann Schritte. Kein Zweifel, sie war nicht alleine hier.