"Teil 18"
Eine Visitenkarte.
Matthew Evans
Immobilien-Berater
Darunter noch eine Telefonnummer und die URL einer Homepage.
Kein Zweifel. Dieses Kleidungsstück hatte einmal dem Mann gehört, nach dem sie suchte. Der Entführer wollte ihr damit eine Botschaft zukommen lassen. Das Spiel, von dem der Anrufer gesprochen hatte, hatte bereits begonnen.
Unsicher was sie nun tun sollte, blickte sie auf ihre Armbanduhr. Erschrocken musste sie feststellen, dass ihre Mittagspause beinahe um war. Sie hatte kaum noch Zeit rechtzeitig in die Arbeit zurückzukommen. Sie trank einen hastigen Schluck von ihrem Kaffee, warf einige Münzen auf den Tisch und machte sich daran aufzubrechen.
Das Sakko wollte sie wieder in die Schachtel stecken. Erstens empfand sie es als seltsam, mit einem Männersakko unter dem Arm durch die Stadt zu laufen, zweitens wollte sie die Schachtel auf jeden Fall mitnehmen. Vielleicht hatte sie ja einen Hinweis auf dem Karton übersehen, der sich später als wichtig erweisen könnte.
Gerade als sie das Kleidungsstück einpackte, fiel ihr Blick auf eine Stelle unterhalb des Revers. Hatte sie sich verguckt, oder war da tatsächlich ein dunkler Fleck zu erkennen. Sie drehte sich Richtung Sonne, um die Stelle genauer unter die Lupe zu nehmen.
Samstag, 17. Dezember 2011
Montag, 21. November 2011
Der Anruf
"Teil 17"
Vorsichtig klappte sie das Päckchen auf und spähte in das Innere. Beiger Stoff. Sie versuchte ihre visuelle Wahrnehmung zu bestätigen und griff mit der Hand hinein. Kurz zögerte sie, als ob sich ein giftiges Tier im Inneren befinden könnte, dann aber überwand sie ihre Scheu. Vorsichtig tastete sie nach dem Stoff, berührte die Oberfläche, griff danach und zog das undefinierbare Teil endlich heraus.
Ein Sakko, kein Zweifel. Ein beiges, gut geschnittenes, schmuckes Männersakko.
Nichts, das man von der Stange kauft, sondern eine Maßanfertigung, das war ihr auf den ersten Blick klar. Ein teures Teil also.
Bevor sie das Sakko genauer unter die Lupe nahm, wollte sie allerdings einen Blick in die Schachtel werfen. Schließlich konnte das ja wohl kaum alles sein. Sie legte das Kleidungsstück neben sich auf die Bank, nahm den jetzt fast federleichten Karton zur Hand und blickte hinein.
Nichts. Sie drehte den Karton um, doch es flatterte nichts heraus. Das Päckchen hatte tatsächlich nur dieses Sakko enthalten. Ungeduldig stellte sie den Karton zur Seite und hätte dabei fast das Wasserglas zu Boden gestoßen. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem beigelegten Designerteil, das sie auf ihren Schoß legte. Ein Griff in die Seitentaschen: Fehlanzeige.
Blieb die Innentasche. Wenn irgendein Hinweis auf den Absender des Pakets vorhanden war, dann musste dieser sich dort befinden. Schon fast hätte sie geglaubt, dass sie sich auch in diesem Punkt geirrt hatte, als ihr ein kleines Stück Papier zwischen die Finger geriet. Sorgsam zog sie es aus der Brusttasche.
Vorsichtig klappte sie das Päckchen auf und spähte in das Innere. Beiger Stoff. Sie versuchte ihre visuelle Wahrnehmung zu bestätigen und griff mit der Hand hinein. Kurz zögerte sie, als ob sich ein giftiges Tier im Inneren befinden könnte, dann aber überwand sie ihre Scheu. Vorsichtig tastete sie nach dem Stoff, berührte die Oberfläche, griff danach und zog das undefinierbare Teil endlich heraus.
Ein Sakko, kein Zweifel. Ein beiges, gut geschnittenes, schmuckes Männersakko.
Nichts, das man von der Stange kauft, sondern eine Maßanfertigung, das war ihr auf den ersten Blick klar. Ein teures Teil also.
Bevor sie das Sakko genauer unter die Lupe nahm, wollte sie allerdings einen Blick in die Schachtel werfen. Schließlich konnte das ja wohl kaum alles sein. Sie legte das Kleidungsstück neben sich auf die Bank, nahm den jetzt fast federleichten Karton zur Hand und blickte hinein.
Nichts. Sie drehte den Karton um, doch es flatterte nichts heraus. Das Päckchen hatte tatsächlich nur dieses Sakko enthalten. Ungeduldig stellte sie den Karton zur Seite und hätte dabei fast das Wasserglas zu Boden gestoßen. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem beigelegten Designerteil, das sie auf ihren Schoß legte. Ein Griff in die Seitentaschen: Fehlanzeige.
Blieb die Innentasche. Wenn irgendein Hinweis auf den Absender des Pakets vorhanden war, dann musste dieser sich dort befinden. Schon fast hätte sie geglaubt, dass sie sich auch in diesem Punkt geirrt hatte, als ihr ein kleines Stück Papier zwischen die Finger geriet. Sorgsam zog sie es aus der Brusttasche.
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Der Anruf
"Teil 16"
Seit mehr als fünf Minuten wartete sie jetzt bereits auf ihren Kaffee. Warum hatte sie sich ausgerechnet das Lokal mit der langsamsten Bedienung der Welt ausgesucht. Sollte sie das Paket einfach aufreißen und den Inhalt vor sich auf den Tisch kippen?
Dann hätte das Warten ein Ende. Nein, nun hatte sie schon so viel Geduld bewiesen, die verbleibenden Minuten würde sie auch noch durchstehen. Erneut blickte sie auf die Speisekarte.
Die Seiten überfliegend stachen ihr einige Worte ins Auge:
Trüffelcreme-Torte, Eiskaffee, Salami-Sandwich, Schinken-Baguette, Sushi, …
Sogar vor diesem Café hatte der Trend zu rohem Fisch nicht Halt gemacht. In letzter Zeit schien es ihr, als ob man an jeder Ecke dieser Stadt Sushi zu kaufen bekam. Sogar ihr kleiner Lebensmittelladen an der Ecke bot seit neuestem zierliche Plastikbehältnisse mit einer Auswahl der beliebtesten Fernost-Spezialitäten an. Sie hatte das Zeug einmal probiert. Nicht in diesem Laden, sondern in einem asiatischen Restaurant Downtown. Bei dem einen Mal war es geblieben. Sie zog es vor ihr Essen gekocht, gegrillt oder sonst wie mit Hitze behandelt zu sich zu nehmen.
Hintergründig hatte sich ein Gedanke eingeschlichen, der nun unvermittelt in ihr Bewusstsein trat: roher Fisch – rohes Fleisch – hatte sie nicht vor kurzem einen Film gesehen, bei dem etwas Ähnliches passiert war?
Eine Frau war entführt worden. Ihr Ehemann hatte sich geweigert das Lösegeld zu bezahlen. Daraufhin hatten die Entführer, um die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu unterstreichen, dem Mann eine Zehe seiner Gattin per Post zukommen lassen.
Sie wagte es nicht den Gedanken zu Ende zu bringen. Das brauchte sie aber auch gar nicht, denn neben ihr tauchte die Kellnerin auf, um die gewünschte Bestellung abzuliefern. Bevor Anny auch nur ein Wort hervorbrachte, war die Bedienung auch schon wieder verschwunden.
Nun war er also gekommen. Der Augenblick der Wahrheit. Allen möglichen Körperteilen zum Trotz, die sich in diesem Paket befinden konnten, zog sie den Plastikstreifen in die Höhe, um einen Blick auf den Inhalt des Päckchens zu werfen.
Seit mehr als fünf Minuten wartete sie jetzt bereits auf ihren Kaffee. Warum hatte sie sich ausgerechnet das Lokal mit der langsamsten Bedienung der Welt ausgesucht. Sollte sie das Paket einfach aufreißen und den Inhalt vor sich auf den Tisch kippen?
Dann hätte das Warten ein Ende. Nein, nun hatte sie schon so viel Geduld bewiesen, die verbleibenden Minuten würde sie auch noch durchstehen. Erneut blickte sie auf die Speisekarte.
Die Seiten überfliegend stachen ihr einige Worte ins Auge:
Trüffelcreme-Torte, Eiskaffee, Salami-Sandwich, Schinken-Baguette, Sushi, …
Sogar vor diesem Café hatte der Trend zu rohem Fisch nicht Halt gemacht. In letzter Zeit schien es ihr, als ob man an jeder Ecke dieser Stadt Sushi zu kaufen bekam. Sogar ihr kleiner Lebensmittelladen an der Ecke bot seit neuestem zierliche Plastikbehältnisse mit einer Auswahl der beliebtesten Fernost-Spezialitäten an. Sie hatte das Zeug einmal probiert. Nicht in diesem Laden, sondern in einem asiatischen Restaurant Downtown. Bei dem einen Mal war es geblieben. Sie zog es vor ihr Essen gekocht, gegrillt oder sonst wie mit Hitze behandelt zu sich zu nehmen.
Hintergründig hatte sich ein Gedanke eingeschlichen, der nun unvermittelt in ihr Bewusstsein trat: roher Fisch – rohes Fleisch – hatte sie nicht vor kurzem einen Film gesehen, bei dem etwas Ähnliches passiert war?
Eine Frau war entführt worden. Ihr Ehemann hatte sich geweigert das Lösegeld zu bezahlen. Daraufhin hatten die Entführer, um die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu unterstreichen, dem Mann eine Zehe seiner Gattin per Post zukommen lassen.
Sie wagte es nicht den Gedanken zu Ende zu bringen. Das brauchte sie aber auch gar nicht, denn neben ihr tauchte die Kellnerin auf, um die gewünschte Bestellung abzuliefern. Bevor Anny auch nur ein Wort hervorbrachte, war die Bedienung auch schon wieder verschwunden.
Nun war er also gekommen. Der Augenblick der Wahrheit. Allen möglichen Körperteilen zum Trotz, die sich in diesem Paket befinden konnten, zog sie den Plastikstreifen in die Höhe, um einen Blick auf den Inhalt des Päckchens zu werfen.
Neuigkeiten
Ab Ende Oktober 2011 wird es regelmäßig, zwei Mal pro Monat, eine Fortsetzung zur Geschichte "der Anruf" geben.
Lest doch einfach öfter mal rein!
Lest doch einfach öfter mal rein!
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Der Anruf
"Teil 15"
Sie in dem Café sitzen zu sehen, erfüllte ihn mit dem Bedürfnis, ihr näher zu sein. Durch die Glasscheibe des Lokals hatte die Szenerie irgendwie etwas Distanziertes. Fast schien es ihm, als würde er ein Schauspiel beobachten. Etwas das auf einer Bühne aufgeführt wurde, oder gar eine dieser Seifenopern im Fernsehen. In diesem Stück jedoch war er nicht nur ein Beobachter, nein, er hatte das Drehbuch geschrieben. Er war zugleich eine der Hauptpersonen, wie auch Regisseur. Ohne ihn würde alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Just in diesem Moment musste er sich jedoch in Geduld üben. Das Paket, welches er ihr hatte zukommen lassen, stand direkt vor ihr auf dem Tisch. Sie hatte es noch nicht geöffnet. So viel Geduld hatte er ihr gar nicht zugetraut. Aber vielleicht war es ja nicht nur Geduld, die sie daran hinderte, den Karton aufzureißen. Vielleicht war auch etwas Angst dabei. Angst davor, was dieses Präsent wohl enthalten möge. Dieser Gedanke faszinierte ihn. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und versuchte sich in ihre Gefühlswelt hinein zu versetzen.
Sie in dem Café sitzen zu sehen, erfüllte ihn mit dem Bedürfnis, ihr näher zu sein. Durch die Glasscheibe des Lokals hatte die Szenerie irgendwie etwas Distanziertes. Fast schien es ihm, als würde er ein Schauspiel beobachten. Etwas das auf einer Bühne aufgeführt wurde, oder gar eine dieser Seifenopern im Fernsehen. In diesem Stück jedoch war er nicht nur ein Beobachter, nein, er hatte das Drehbuch geschrieben. Er war zugleich eine der Hauptpersonen, wie auch Regisseur. Ohne ihn würde alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Just in diesem Moment musste er sich jedoch in Geduld üben. Das Paket, welches er ihr hatte zukommen lassen, stand direkt vor ihr auf dem Tisch. Sie hatte es noch nicht geöffnet. So viel Geduld hatte er ihr gar nicht zugetraut. Aber vielleicht war es ja nicht nur Geduld, die sie daran hinderte, den Karton aufzureißen. Vielleicht war auch etwas Angst dabei. Angst davor, was dieses Präsent wohl enthalten möge. Dieser Gedanke faszinierte ihn. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und versuchte sich in ihre Gefühlswelt hinein zu versetzen.
Dienstag, 16. August 2011
Der Anruf
"Teil 14"
Gesagt getan. Ohne lange zu zögern, ging sie auf das Café zu, trat ein und sah sich nach einer passenden Sitzgelegenheit um. In einer der hinteren Ecken des Lokals stand noch ein freier Tisch für zwei Personen. Eingebettet in eine kleine Nische, war er genau das, wonach sie suchte. Sie setzte sich, stellte das Paket vorsichtig vor sich auf den Tisch und versuchte ihre Fantasie so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten. Ihre Fantasie, die ihr eine Warnung entgegen schrie: „Pass auf Anny, in dem Paket befindet sich eine Bombe. Wenn du es öffnest, dann wird sie dich zerfetzen. Und mit dir jeden, der sich in diesem Lokal befindet.“
Sie konnte vor ihrem geistigen Auge den Aschenregen sehen, der auf die am Boden liegenden reglosen Körper niederging. Das zersplitterte Glas glänzte im Schein einer Sonne, die sich nichts aus der Katastrophe zu machen schien, die an einem geruhsamen Tag so viele unschuldige Menschen aus dem Leben gerissen hatte.
„Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen, Miss?“
Sie musste sich erst einige Sekunden auf die fragende Miene der Kellnerin konzentrieren, die da vor ihr stand, bevor sie wieder in die reale Welt zurückgekehrt und zu einer Antwort fähig war.
„Ja, bringen Sie mir doch eine Melange und dazu ein großes Glas Wasser.“
„Darf es auch etwas zu essen sein?“
„Nein. Nein, danke.“
Die Kellnerin machte auf dem Absatz kehrt. Anny beschloss noch zu warten, bis die Getränke vor ihr auf dem Tisch standen. Dann konnte sie sich in aller Ruhe dem Inhalt des Päckchens widmen. Sie begann in der Speisekarte des Cafés zu blättern. Die Minuten des Wartens kamen ihr wie Stunden vor.
Gesagt getan. Ohne lange zu zögern, ging sie auf das Café zu, trat ein und sah sich nach einer passenden Sitzgelegenheit um. In einer der hinteren Ecken des Lokals stand noch ein freier Tisch für zwei Personen. Eingebettet in eine kleine Nische, war er genau das, wonach sie suchte. Sie setzte sich, stellte das Paket vorsichtig vor sich auf den Tisch und versuchte ihre Fantasie so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten. Ihre Fantasie, die ihr eine Warnung entgegen schrie: „Pass auf Anny, in dem Paket befindet sich eine Bombe. Wenn du es öffnest, dann wird sie dich zerfetzen. Und mit dir jeden, der sich in diesem Lokal befindet.“
Sie konnte vor ihrem geistigen Auge den Aschenregen sehen, der auf die am Boden liegenden reglosen Körper niederging. Das zersplitterte Glas glänzte im Schein einer Sonne, die sich nichts aus der Katastrophe zu machen schien, die an einem geruhsamen Tag so viele unschuldige Menschen aus dem Leben gerissen hatte.
„Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen, Miss?“
Sie musste sich erst einige Sekunden auf die fragende Miene der Kellnerin konzentrieren, die da vor ihr stand, bevor sie wieder in die reale Welt zurückgekehrt und zu einer Antwort fähig war.
„Ja, bringen Sie mir doch eine Melange und dazu ein großes Glas Wasser.“
„Darf es auch etwas zu essen sein?“
„Nein. Nein, danke.“
Die Kellnerin machte auf dem Absatz kehrt. Anny beschloss noch zu warten, bis die Getränke vor ihr auf dem Tisch standen. Dann konnte sie sich in aller Ruhe dem Inhalt des Päckchens widmen. Sie begann in der Speisekarte des Cafés zu blättern. Die Minuten des Wartens kamen ihr wie Stunden vor.
Samstag, 9. Juli 2011
Der Anruf
"Teil 13"
Als er die Augen aufschlug, dachte er zuerst, er wäre erblindet. Vollkommene Dunkelheit umfing ihn. Er lag, worauf wusste er nicht. Sein Kopf dröhnte, seine Glieder fühlten sich schwer an. Unendlich schwer. Er versuchte sich zu bewegen, aber selbst das Drehen seines Kopfes erforderte mehr Kraft als er aufbringen konnte. An ein Aufsetzen war nicht zu denken. Das Rauschen in seinen Ohren wurde zunehmend stärker. Dieses Rauschen kam jedoch nicht von Außen, so viel wurde ihm schnell klar. Es hatte seinen Ursprung innerhalb seines Kopfes. Es war, als würde er das Blut durch seinen Körper strömen spüren. In den Windungen seines Kopfes wurde der Blutschwall tosend laut. Die Dunkelheit die ihn umfing, verwandelte sich in gleißendes Licht, als er erneut die Besinnung verlor.
Am liebsten hätte sie das Päckchen an Ort und Stelle aufgerissen. Aber sie stand mitten auf einem Platz und wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen. Sie sah sich nach einem geeigneten Ort um. Einen Platz, an dem nicht 50 Leute pro Minute an ihr vorbeihuschten. Wo sie vor neugierigen Blicken geschützt war.
Ihr Blick streifte die umliegenden Geschäfte, bis er an einem kleinen Café hängen blieb. Die Glasfront verriet ihr, dass es nicht allzu viele Leute waren, die hier ihren Mittagssnack zu sich nahmen. Sie konnte ohne weiteres einen Tisch für sich alleine bekommen.
Als er die Augen aufschlug, dachte er zuerst, er wäre erblindet. Vollkommene Dunkelheit umfing ihn. Er lag, worauf wusste er nicht. Sein Kopf dröhnte, seine Glieder fühlten sich schwer an. Unendlich schwer. Er versuchte sich zu bewegen, aber selbst das Drehen seines Kopfes erforderte mehr Kraft als er aufbringen konnte. An ein Aufsetzen war nicht zu denken. Das Rauschen in seinen Ohren wurde zunehmend stärker. Dieses Rauschen kam jedoch nicht von Außen, so viel wurde ihm schnell klar. Es hatte seinen Ursprung innerhalb seines Kopfes. Es war, als würde er das Blut durch seinen Körper strömen spüren. In den Windungen seines Kopfes wurde der Blutschwall tosend laut. Die Dunkelheit die ihn umfing, verwandelte sich in gleißendes Licht, als er erneut die Besinnung verlor.
Am liebsten hätte sie das Päckchen an Ort und Stelle aufgerissen. Aber sie stand mitten auf einem Platz und wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen. Sie sah sich nach einem geeigneten Ort um. Einen Platz, an dem nicht 50 Leute pro Minute an ihr vorbeihuschten. Wo sie vor neugierigen Blicken geschützt war.
Ihr Blick streifte die umliegenden Geschäfte, bis er an einem kleinen Café hängen blieb. Die Glasfront verriet ihr, dass es nicht allzu viele Leute waren, die hier ihren Mittagssnack zu sich nahmen. Sie konnte ohne weiteres einen Tisch für sich alleine bekommen.
Dienstag, 17. Mai 2011
Der Anruf
"Teil 12"
Schon als Kind war sie mit ihrer übertriebenen Fantasie aufgefallen. Positiv, weil sie in der Schule fast alle Aufsatz-Wettbewerbe gewann und negativ, weil sie sich oft Geschichten zusammengesponnen hatte, die mehr dem Reich der Fantasie zuzuordnen waren.
Natürlich wurde sie von keiner Kugel aus der imaginären Pistole des Pförtners niedergestreckt und erreichte lebend und leicht zitternd die Drehtür, die die Besucher des Bürogebäudes auf den Platz davor ausspuckte.
Noch verwirrter als am Vormittag schlenderte sie ziellos über den Platz, als sie plötzlich jemanden ihren Namen rufen hörte: „Anny Warshaw!“
Zuerst konnte sie nicht genau feststellen, woher die Stimme kam, doch als sie eine 180-Grad-Drehung nach rechts vollführte, entdeckte sie einen etwa 14-jährigen Jungen mit roten Haaren und Sommersprossen im Gesicht, der auf sie zugelaufen kam. Sie hatte diesen Jungen noch nie zuvor gesehen, aber unwillkürlich fühlte sie sich an die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die sie als Kind immer sehr gerne gelesen hatte, erinnert. Der Junge setzte sein breitestes Lächeln auf und mit den Worten: „Miss Warshaw, das hier ist für Sie“, überreichte er ihr ein kleines Paket, welchem sie bis jetzt keinerlei Beachtung geschenkt hatte. Etwas verblüfft nahm sie das Päckchen in Empfang und befühlte die mit Backpapier überzogene quaderförmige Schachtel mit ihren Fingerspitzen. Als sie wieder aufblickte, sah sie gerade noch, wie sich der Junge inmitten einer Menschentraube, in Richtung U-Bahn-Abgang quetschte. Für den Bruchteil einer Sekunde zog sie es in Erwägung, dem Burschen zu verfolgen. Als sie das Päckchen in ihren Händen näher betrachtete, verwarf sie den Gedanken jedoch.
Schon als Kind war sie mit ihrer übertriebenen Fantasie aufgefallen. Positiv, weil sie in der Schule fast alle Aufsatz-Wettbewerbe gewann und negativ, weil sie sich oft Geschichten zusammengesponnen hatte, die mehr dem Reich der Fantasie zuzuordnen waren.
Natürlich wurde sie von keiner Kugel aus der imaginären Pistole des Pförtners niedergestreckt und erreichte lebend und leicht zitternd die Drehtür, die die Besucher des Bürogebäudes auf den Platz davor ausspuckte.
Noch verwirrter als am Vormittag schlenderte sie ziellos über den Platz, als sie plötzlich jemanden ihren Namen rufen hörte: „Anny Warshaw!“
Zuerst konnte sie nicht genau feststellen, woher die Stimme kam, doch als sie eine 180-Grad-Drehung nach rechts vollführte, entdeckte sie einen etwa 14-jährigen Jungen mit roten Haaren und Sommersprossen im Gesicht, der auf sie zugelaufen kam. Sie hatte diesen Jungen noch nie zuvor gesehen, aber unwillkürlich fühlte sie sich an die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die sie als Kind immer sehr gerne gelesen hatte, erinnert. Der Junge setzte sein breitestes Lächeln auf und mit den Worten: „Miss Warshaw, das hier ist für Sie“, überreichte er ihr ein kleines Paket, welchem sie bis jetzt keinerlei Beachtung geschenkt hatte. Etwas verblüfft nahm sie das Päckchen in Empfang und befühlte die mit Backpapier überzogene quaderförmige Schachtel mit ihren Fingerspitzen. Als sie wieder aufblickte, sah sie gerade noch, wie sich der Junge inmitten einer Menschentraube, in Richtung U-Bahn-Abgang quetschte. Für den Bruchteil einer Sekunde zog sie es in Erwägung, dem Burschen zu verfolgen. Als sie das Päckchen in ihren Händen näher betrachtete, verwarf sie den Gedanken jedoch.
Samstag, 2. April 2011
Der Anruf
"Teil 11"
Glück war genau das, was Anny jetzt brauchte und es schien ihr hold zu sein. Nach wenigen Sekunden war der junge Polizist in einem benachbarten Raum verschwunden.
Anny handelte schnell. Sie wollte erst mehr darüber wissen, was hier eigentlich los war, bevor sie sich einem polizeilichen Verhör zu stellen gedachte. Was sollte sie zum jetzigen Zeitpunkt auch erzählen...
Da sie immer noch mit einem Fuß im Aufzug und mit dem anderen im Flur des Stockwerks stand, brauchte sie nichts anderes zu tun, als einen Schritt in den Lift zu machen, den Knopf für die Aula zu betätigen und … zu warten. Die Sekunden, bis sich die Tür schloss, und der Lift ins Erdgeschoss hinunter fuhr, kamen ihr wie Minuten vor. Irgendwie erwartete sie fast, den jungen Polizisten zu erblicken, der wie von magischer Hand schneller als sie die Haupthalle erreicht hatte, um ihr die Leviten zu lesen und sie zum Verhör ins nächstgelegene Polizeirevier zu zerren.
Als die Fahrstuhltüren tatsächlich aufglitten, war natürlich nichts von einem Ordnungshüter zu sehen. Der Portier unterhielt sich gerade mit einer ankommenden Dame, die er offenbar kannte. Während Anny versuchte, möglichst unauffällig und nicht zu schnell, das Bürogebäude zu verlassen, kamen ihr die irrsinnigsten Gedanken: Was wäre, wenn der alte Pförtner plötzlich eine Waffe ziehen und ihr hinterher rufen würde stehen zu bleiben? Wie würde sie sich verhalten? Würde der liebenswürdige alte Mann auf sie schießen, wenn sie, ohne sich umzudrehen, davonliefe?
Glück war genau das, was Anny jetzt brauchte und es schien ihr hold zu sein. Nach wenigen Sekunden war der junge Polizist in einem benachbarten Raum verschwunden.
Anny handelte schnell. Sie wollte erst mehr darüber wissen, was hier eigentlich los war, bevor sie sich einem polizeilichen Verhör zu stellen gedachte. Was sollte sie zum jetzigen Zeitpunkt auch erzählen...
Da sie immer noch mit einem Fuß im Aufzug und mit dem anderen im Flur des Stockwerks stand, brauchte sie nichts anderes zu tun, als einen Schritt in den Lift zu machen, den Knopf für die Aula zu betätigen und … zu warten. Die Sekunden, bis sich die Tür schloss, und der Lift ins Erdgeschoss hinunter fuhr, kamen ihr wie Minuten vor. Irgendwie erwartete sie fast, den jungen Polizisten zu erblicken, der wie von magischer Hand schneller als sie die Haupthalle erreicht hatte, um ihr die Leviten zu lesen und sie zum Verhör ins nächstgelegene Polizeirevier zu zerren.
Als die Fahrstuhltüren tatsächlich aufglitten, war natürlich nichts von einem Ordnungshüter zu sehen. Der Portier unterhielt sich gerade mit einer ankommenden Dame, die er offenbar kannte. Während Anny versuchte, möglichst unauffällig und nicht zu schnell, das Bürogebäude zu verlassen, kamen ihr die irrsinnigsten Gedanken: Was wäre, wenn der alte Pförtner plötzlich eine Waffe ziehen und ihr hinterher rufen würde stehen zu bleiben? Wie würde sie sich verhalten? Würde der liebenswürdige alte Mann auf sie schießen, wenn sie, ohne sich umzudrehen, davonliefe?
Samstag, 19. März 2011
Der Anruf
"Teil 10"
„Nun, Miss Garbo, wenn sie mir vielleicht ihren Personalausweis aushändigen könnten, damit ich mir ihre Anschrift notieren ...“ - Gerade als die Situation brenzlig zu werden drohte, erklang eine Stimme aus dem Off: „Hey Jimmy, komm doch mal her. Wir brauchen hier hinten deine Hilfe.“
Der junge Polizist wirkte abgelenkt. Er drehte sich halb um, als er einem unsichtbaren Gesprächspartner antwortete: „Ich kann gerade nicht.“
„Dauert nur eine Sekunde“, war die Antwort die er darauf erhielt.
Unentschlossen blickte der Polizist auf seinen Notizblock. Zu Anny gewandt versuchte er seine Ungeduld, wegen dieser unerwarteten Unterbrechung, zu verbergen.
„Entschuldigen sie mich kurz, ich bin sofort wieder bei ihnen.“
„Nun, Miss Garbo, wenn sie mir vielleicht ihren Personalausweis aushändigen könnten, damit ich mir ihre Anschrift notieren ...“ - Gerade als die Situation brenzlig zu werden drohte, erklang eine Stimme aus dem Off: „Hey Jimmy, komm doch mal her. Wir brauchen hier hinten deine Hilfe.“
Der junge Polizist wirkte abgelenkt. Er drehte sich halb um, als er einem unsichtbaren Gesprächspartner antwortete: „Ich kann gerade nicht.“
„Dauert nur eine Sekunde“, war die Antwort die er darauf erhielt.
Unentschlossen blickte der Polizist auf seinen Notizblock. Zu Anny gewandt versuchte er seine Ungeduld, wegen dieser unerwarteten Unterbrechung, zu verbergen.
„Entschuldigen sie mich kurz, ich bin sofort wieder bei ihnen.“
Sonntag, 23. Januar 2011
Der Anruf
"Teil 9"
„Entschuldigen Sie, Miss, hier ist der Zutritt nur für Polizeibeamte erlaubt“, meldete sich dieser mit sonorer Stimme zu Wort. „Ich muss Sie bitten, den Aufzug in einem anderen Stockwerk zu verlassen.“
Sie hatte nicht mit einer derart radikalen Zurückweisung gerechnet und war für einige Sekunden sprachlos. Als sie ihre Gedanken wieder geordnet hatte, versuchte sie es mit einem kühnen Vorstoß.
„Aber ich muss doch zu Mr. Evans, ich habe heute einen Termin bei ihm.“
„Mr. Evans wird heute wohl keinen seiner Termine wahrnehmen können“, gab der Polizist kurz angebunden zurück.
Sie wusste, dass sie sich auf dünnes Eis begab, aber da sie nun so weit gegangen war, wollte sie sich nicht so schnell geschlagen geben.
„Was ist hier denn eigentlich passiert?“
„Ich kann Ihnen leider auch keine nähere Auskunft geben, aber wenn Sie warten wollen, bis einer der Detectives Zeit für Sie hat, bringe ich Sie da hinten in das Sitzungszimmer.“
Sie hätte sich nur zu gerne mit einem der Detectives unterhalten, um mehr über die Vorgänge hier zu erfahren, aber dazu hätte sie ihre Identität preisgeben müssen und dazu war sie, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, noch nicht bereit.
„Leider habe ich es eilig, aber wenn Sie mir den Namen des leitenden Ermittlers nennen würden, damit ich mich zu einem späteren Zeitpunkt mit ihm in Verbindung setzen kann, wäre ich Ihnen sehr verbunden.“
„Gerne Miss, aber wie ich Detective Davis kenne, wird er sich schon sehr bald mit Ihnen in Verbindung setzen wollen, also brauche ich zu aller erst einmal Ihren Namen und Ihre Anschrift.“
Damit hatte sie nicht gerechnet. Fieberhaft suchte ihr Gehirn nach einem vernünftig klingenden falschen Namen, aber alles was ihr einfiel war der Name einer alten Hollywood-Schauspielerin, die der junge Polizist hoffentlich nicht kannte.
„Greta Garbo“, brachte sie unsicher lächelnd hervor.
„Entschuldigen Sie, Miss, hier ist der Zutritt nur für Polizeibeamte erlaubt“, meldete sich dieser mit sonorer Stimme zu Wort. „Ich muss Sie bitten, den Aufzug in einem anderen Stockwerk zu verlassen.“
Sie hatte nicht mit einer derart radikalen Zurückweisung gerechnet und war für einige Sekunden sprachlos. Als sie ihre Gedanken wieder geordnet hatte, versuchte sie es mit einem kühnen Vorstoß.
„Aber ich muss doch zu Mr. Evans, ich habe heute einen Termin bei ihm.“
„Mr. Evans wird heute wohl keinen seiner Termine wahrnehmen können“, gab der Polizist kurz angebunden zurück.
Sie wusste, dass sie sich auf dünnes Eis begab, aber da sie nun so weit gegangen war, wollte sie sich nicht so schnell geschlagen geben.
„Was ist hier denn eigentlich passiert?“
„Ich kann Ihnen leider auch keine nähere Auskunft geben, aber wenn Sie warten wollen, bis einer der Detectives Zeit für Sie hat, bringe ich Sie da hinten in das Sitzungszimmer.“
Sie hätte sich nur zu gerne mit einem der Detectives unterhalten, um mehr über die Vorgänge hier zu erfahren, aber dazu hätte sie ihre Identität preisgeben müssen und dazu war sie, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, noch nicht bereit.
„Leider habe ich es eilig, aber wenn Sie mir den Namen des leitenden Ermittlers nennen würden, damit ich mich zu einem späteren Zeitpunkt mit ihm in Verbindung setzen kann, wäre ich Ihnen sehr verbunden.“
„Gerne Miss, aber wie ich Detective Davis kenne, wird er sich schon sehr bald mit Ihnen in Verbindung setzen wollen, also brauche ich zu aller erst einmal Ihren Namen und Ihre Anschrift.“
Damit hatte sie nicht gerechnet. Fieberhaft suchte ihr Gehirn nach einem vernünftig klingenden falschen Namen, aber alles was ihr einfiel war der Name einer alten Hollywood-Schauspielerin, die der junge Polizist hoffentlich nicht kannte.
„Greta Garbo“, brachte sie unsicher lächelnd hervor.
Abonnieren
Posts (Atom)