Mittwoch, 19. Oktober 2011

Der Anruf

"Teil 15"

Sie in dem Café sitzen zu sehen, erfüllte ihn mit dem Bedürfnis, ihr näher zu sein. Durch die Glasscheibe des Lokals hatte die Szenerie irgendwie etwas Distanziertes. Fast schien es ihm, als würde er ein Schauspiel beobachten. Etwas das auf einer Bühne aufgeführt wurde, oder gar eine dieser Seifenopern im Fernsehen. In diesem Stück jedoch war er nicht nur ein Beobachter, nein, er hatte das Drehbuch geschrieben. Er war zugleich eine der Hauptpersonen, wie auch Regisseur. Ohne ihn würde alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Just in diesem Moment musste er sich jedoch in Geduld üben. Das Paket, welches er ihr hatte zukommen lassen, stand direkt vor ihr auf dem Tisch. Sie hatte es noch nicht geöffnet. So viel Geduld hatte er ihr gar nicht zugetraut. Aber vielleicht war es ja nicht nur Geduld, die sie daran hinderte, den Karton aufzureißen. Vielleicht war auch etwas Angst dabei. Angst davor, was dieses Präsent wohl enthalten möge. Dieser Gedanke faszinierte ihn. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und versuchte sich in ihre Gefühlswelt hinein zu versetzen.

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