Samstag, 27. Dezember 2014

Der Anruf


"Teil 46"


Irgendwie schien ihr der Schock mehr und mehr in die Glieder zu fahren.
Die Frau, mit der sie gerade noch unterwegs gewesen war, war tot. Jasmin hatte ihren Ausflug in die Dunkelheit mit ihrem Leben bezahlt.
Aber halt! Wusste sie das eigentlich mit Sicherheit?
Sie hatte gesehen, wie der Maskierte den Landstreicher einfach erstochen hatte. Es stand außer Zweifel, dass er auch Jasmin entdeckt und angegriffen hatte. Die Chancen, dass sie diese Begegnung überlebt hatte standen nicht besonders gut.

Sie bog gerade um eine scharfe Rechtskurve, als ihr unvermittelt helles Tageslicht entgegenstrahlte. Eine kleine Treppe trennte sie von einem Gittertor, das den Blick in die Freiheit offenbarte.
Mit zittrigen Knien stieg sie die Stufen hoch. Vorsichtig drückte sie gegen die Gitterstäbe, und sie konnte ihr Glück kaum fassen, als das Tor ihrem Druck nachgab. Ein starker Stoß und die Barriere schwang nach Außen auf. Mit einem lauten Dröhnen knallte das Metall gegen eine Betonmauer.
Anny zuckte zusammen und fuhr herum.
Von ihrem Verfolger war nichts zu sehen, aber er musste den Lärm, den sie hier verursachte, ohne Zweifel gehört haben.



Samstag, 20. Dezember 2014

Der Anruf


"Teil  45"

 
Sie musste sofort zur Polizei, soviel war klar. Wenn sie es irgendwie aus diesem verdammten Labyrinth herausschaffen sollte, gab es keine andere Option. Innerlich scholt sie sich dafür, nicht schon viel früher aus diesem Wahnsinn ausgestiegen zu sein.
Dieser Psychopath hatte gerade zwei Menschen umgebracht. Kaltblütig und ohne zu zögern. Sie selbst hatte mehr Glück als Verstand noch am Leben zu sein.

Erneut kam sie zu einer Weggabelung und wieder wählte sie den rechten Tunnel. Sie wollte zwar nicht im Kreis laufen, aber irgend ein System brauchte sie. Irgendeine Taktik, um nicht von dem Gefühl übermannt zu werden, wie eine Verrückte durch die Gänge zu irren.
Sie versuchte sich zusammenzureißen. Es fiel ihr nicht gerade leicht.
Sie blieb stehen, lauschte. Schritte in der Ferne. Schnell, aber nicht überhastet. Zielstrebig.
Der Wahnsinnige war ihr noch immer auf den Fersen.

Was war jetzt zu tun?

Zu aller erst Ruhe bewahren, einen Ausgang finden und dann die Behörden informieren.
Aber was sollte sie ihnen erzählen?
Langsamer als zuvor nahm sie ihren Weg wieder auf. 


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der Anruf


"Teil 44"


Er hat sie entdeckt. Daran besteht kein Zweifel mehr.
Anny ist drauf und dran umzukehren, da ertönt Jasmins Stimme.

Jasmin: Lauf!

Dann ein dumpfes Geräusch. Ein Stöhnen. Die Stille ist zurück, aber nur für wenige Sekunden. Dann wird die Luft von einer tönenden Stimme durchschnitten.

Onkel Rellik: Dieser Teil des Spiels ist nur für zwei Personen vorgesehen. Jetzt solltest du auf deine Freundin hören und … laufen!

Anny ist wie erstarrt. Verzweifelt blickt sie sich um. Nach einigen Sekunden hat sie eine Entscheidung getroffen. Sie muss Hilfe holen, und zwar so schnell wie möglich.

In Todesangst läuft A durch die immer dichter werdende Dunkelheit der Gänge. Irgendwo hinter ihr ein Verrückter, der wahrscheinlich gerade zwei Menschen getötet hat. 


Freitag, 19. September 2014

Der Anruf


"Teil 43"


Anny: Ich kann dich nicht tragen, maximal stützen. Was sollen wir tun?

Jasmin (sieht sich verzweifelt um): Da drüben ist eine Nische. Hilf mir, dann kann ich mich dort verstecken.

Anny hilft Jasmin dabei zur Nische zu gelangen. Diese ist gerade groß genug, damit sich eine Person darin hineinkauern kann.

A: Kein großartiges Versteck.

J: Fällt dir was Besseres ein?

A schüttelt den Kopf.

J: Wenn du weiterläufst, dann hat der Typ keinen Grund sich hier näher umzusehen. Er wird glauben, dass wir immer noch beide vor ihm davonlaufen.

A sieht nicht wirklich überzeugt aus.

J: Du musst nur gehörig Lärm machen. Nicht zu viel, aber genug, damit er auf deinen Fersen bleibt.

A: Das schaff ich!

Die Schritte kommen immer näher.

J: Los, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.

Mit diesen Worten verschwindet J in der Nische. Die Schatten verschlucken ihre Anwesenheit.

„Hol Hilfe“ sind die letzten gehauchten Worte die A vernimmt, bevor sie ihre Flucht fortsetzt.
Sie hat ein ziemlich ungutes Gefühl dabei, J so alleine zurückzulassen. Dutzende Gedanken gehen ihr durch den Kopf: Immerhin hat J den Pfefferspray, mit dem sie sich im Notfall verteidigen kann.
Aber was dann?

Anny läuft. Schnell, aber nicht zu schnell. Dann trifft es sie wie ein Schlag!
Etwas hat sich geändert. Was? Die Schritte ihres Verfolgers sind verklungen. Auch Anny wird langsamer. Sie lauscht. Stille!

Plötzlich ein spitzer Schrei!



Freitag, 5. September 2014

Der Anruf


"Teil 42"


Anny und Jasmin haben keine Zeit zu reagieren. Alles geht blitzschnell. Wie von selbigem getroffen sackt der junge Mann mit einem Aufschrei zusammen.

A und J sind paralysiert.

Ein Mann in Alltagskleidung und mit, über den Kopf gezogener, Skimütze steht im Durchgang. Das Messer, das er gerade aus dem, inzwischen reglos zusammengesunkenen Körper, des jungen Mannes gezogen hat, wischt er an seiner Hose ab.

Maskierter Mann (fröhlich rufend): Hallo Ladies! Lasst uns ein wenig spielen!

Dieser Ausruf und ein Schritt, den der Maskierte in Richtung Anny und Jasmin tätigt, genügen, damit die Erstarrung aus den Gliedern der beiden jungen Frauen mit einem Schlag verschwindet. A und J laufen, in wortloser Übereinkunft, weiter in den dunklen Tunnel hinein.
Es ist der einzige Weg der ihnen bleibt. Hinter ihnen ein messerschwingender Irrer.

Der Maskierte scheint es dabei jedoch nicht im geringsten eilig zu haben. Schnellen, aber keineswegs hastigen Schrittes, folgt er den Beiden.


A und J laufen durch dunkle Tunnel. Die Wände und Gänge bieten kaum einen Anhaltspunkt. Immer wieder Abzweigungen.
Plötzlich ein Aufschrei! Jasmin ist gestürzt.
Anny, die bereits ein paar Schritte vor J ist, bleibt stehen und kehrt um, als sie bemerkt, dass J liegen bleibt.

A: Was ist passiert?

J: Ich hab mir, glaub ich, den Knöchel verletzt.

A: Kannst du laufen?

J (versucht aufzustehen – wimmert): Nein, geht nicht.

Hinter ihnen sind bereits die Schritte vom Maskenmann zu hören. Er scheint nicht zu laufen, aber er kommt zügig näher. 



Mittwoch, 6. August 2014

Der Anruf


"Teil 41"


Jasmin springt dem Schemen entgegen und feuert ihm eine Ladung Pfefferspray mitten ins Gesicht.

Sie kennen den jungen Mann, der nun die Hände vor sein Gesicht reißt und vor Schmerz aufschreit. Es ist der dunkelhäutige Junge, der in der U-Bahn nur wenige Meter neben ihnen gestanden hat. Er sieht ziemlich verwahrlost aus und, im Moment, auch ziemlich überrascht.

Junger Mann: Oh verdammt! Das Zeug brennt!

JM dreht sich im Kreis, stößt mehrmals gegen die Tunnelwand und flucht. Unablässig reibt er sich die Augen.

Anny(blickt sich zu Jasmin um): Wir haben den Falschen erwischt!

Jasmin: Woher willst du das wissen? … Er könnte genausogut der Entführer sein, oder mit ihm zusammenarbeiten.

JM versucht sich nach den Stimmen zu orientieren. Er scheint immer noch nichts zu sehen.

JM: Verdammt was sollte das?

J: Warum bist du uns gefolgt?

JM: Ich habe gesehen, dass ihr in der Nische verschwunden seid und war neugierig.

A: Hat dich jemand beauftragt uns zu folgen?

JM hat sich inzwischen wieder halbwegs unter Kontrolle. Aus stark geröteten Augen blickt er die Beiden ungläubig an.

JM: Seid ihr paranoid oder was? … Warum sollte euch jemand verfolgen? Glaubt ihr, ich wollte hier im Tunnel über euch herfallen?

A und J sind beide etwas zurückgewichen. Ihr Gegenüber ist groß und muskulös. Den Vorteil des Pfeffersprays haben sie verspielt. Sie blicken sich unsicher an.

Nachdem JM sich vorher gekrümmt hatte, hat er sich nun wieder aufgerichtet. Er ist gut 1.90m groß und versperrt den Rückweg zum Haupttunnel. Er blickt sie fragend an. Er ist offenkundig genauso misstrauisch wie A und J.

JM: Könnt ihr mir den ganzen Scheiß erklären?

Gerade als JM seine Frage in den hallenden Tunnel geworfen hat, taucht ein Schatten hinter ihm auf.



Samstag, 19. Juli 2014

Der Anruf


"Teil 40"


Die beiden marschieren weiter den Tunnel entlang.

Jasmin blickt auf ihr Mobiltelefon: „Mist! Hast du noch Empfang?“

Anny blickt Jasmin ziemlich planlos an.

J: Auf dem Mobiltelefon, das dir unser neuer Freund hat zukommen lassen. Hast du da Empfang?

A kramt das Handy wieder aus ihrer Handtasche.

A: „Nein, Fehlanzeige.“

Plötzlich hören die Beiden ein Geräusch hinter sich.

A: Was war das?

J: Ich glaube, irgend jemand ist hinter uns.

Die hallenden Schritte scheinen näher zu kommen. Panisch sehen A und J sich um. Sie entdecken eine kleine Nische zu ihrer Rechten. Groß genug, um sich zu zweit verstecken zu können.

J: Hast du irgend etwas dabei, was wir als Waffe verwenden könnten?

A blickt in ihre Handtasche und versucht im Licht des Handydisplays etwas erkennen zu können.

A: Nein, leider nichts.

J hat etwas aus ihrer Tasche gezogen. Sie hält es in die Höhe wie ein Schwert. Es ist eine Dose.

J: Ich habe Pfefferspray. Wir werden dem verdammten Mistkerl eine Ladung verpassen!

A: Meinst du, dass das ausreicht?

J(blickt undeutbar): Das muss es! Zumindest wird es ihn für eine Weile aufhalten.
J lauscht: „Leise jetzt, ich glaube er kommt.“

Eine Gestalt biegt um die Ecke.


Montag, 5. Mai 2014

Der Anruf


"Teil 39"


Jasmin: Du mieses Arschloch!

Onkel Rellik: Tztztz … So unschöne und hässliche Worte von so einer reizenden Person.

Eine Pause tritt ein. Man könnte fast meinen OR hat aufgelegt. Plötzlich!

OR: Genug geplaudert! Ich habe euch nicht umsonst ein Handy besorgt, mit dem ihr selbst hier noch Empfang habt. Ihr sollt nicht mit der Horde Zombies mittrotten, die gerade an euch vorbeiläuft. Geht zur übernächsten Nische, in die Richtung, aus der der Zug gekommen ist. Wenn ihr in die Nische hineinschlüpft, dann werdet ihr erkennen, wie es weiter geht. Wir werden sehr bald wieder von einander hören.

Das Gespräch ist beendet.

„Na los, kommen Sie, wir sind die letzten!“ Mit diesen Worten schlüpft der Angestellte der Verkehrsbetriebe, der bereits vorhin das Wort ergriffen hatte, an ihnen vorbei.

Anny und Jasmin blicken sich verunsichert an.
Schließlich geht J voraus. Sie geht bis zur Nische und verschwindet um die Ecke. A folgt ihr. Der schmale Durchgang dahinter wird nach nur wenigen Metern breiter und mündet in einem, nur spärlich beleuchteten, Gang.
Ein gelber Pfeil weist ihnen den einzig möglichen Weg. Die Farbe scheint frisch zu sein.

A: Folgen wir tatsächlich gerade den Anweisungen eines irren Entführers und lassen uns von ihm in einen dunklen Tunnel locken, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was uns dort drinnen erwartet?

J: Hast du eine bessere Idee?

A: Dummer Weise, nein!



Montag, 31. März 2014

Der Anruf


"Teil 38"


Anny und Jasmin steigen aus dem Zug. Sie sind wacklig auf ihren Beinen.
Der Fluchtweg ist nicht allzu breit. Einige Leute aus den vorderen Wagons gehen bereits im Gänsemarsch an ihnen vorbei. Anny und Jasmin zwängen sich in eine Nische, als plötzlich das Handy läutet, das Anny seit Kurzem zu ihrem Besitz zählen darf.

Anny: Es ist ein Anruf, keine SMS.

A zeigt J das Display. Dort ist zu lesen: „Onkel Rellik“.

Jasmin: Seltsam. … Heb ab!

Anny drückt behutsam den grünen Button und hält das Telefon zwischen sich und Jasmin. Beide halten ein Ohr an das Gerät. Nahe genug, damit sie etwas hören können, aber doch mit ein wenig Abstand, so als ob jeden Moment etwas Böses aus dem Smartphone springen könnte.

Onkel Rellik: Hallo meine Lieben!

Die Stimme eines Mannes, etwas verzerrt und metallisch. Er klingt beschwingt, fast heiter.

OR: Ich hoffe der Halt war nicht zu abrupt. Ihr habt euch doch nichts getan, oder?

A(mit zittriger Stimme): Was soll das alles? Was wollen sie?

OR(fast aufgeregt): Ich will nur ein wenig spielen.

J(hat mitgehört): Was ist das für ein kranker Scheiß! Ein Spiel bei dem Menschen verletzt werden …

OR: Wenn ihr macht was ich sage, dann werden sich die Kollateral-Schäden in Grenzen halten.

J: Und wenn wir beschließen bei diesem Wahnsinn nicht mehr mitzumachen?

OR: Dann unterschreibst du nicht nur das Todesurteil für deinen Vater, sondern auch für jeden in diesem Tunnel.



Mittwoch, 12. Februar 2014

Der Anruf


"Teil 37"


Jasmin: … Wollte er uns umbringen?

Anny: Ganz ehrlich, das hätte er auch leichter haben können. Ich glaube nicht, dass das sein Ziel war.

J: Was steckt dann dahinter? Das Ganze kann doch kein Zufall sein!

Ein Mann hat den Wagon betreten. Er erhebt die Stimme: „Hören Sie bitte alle gut zu! Es hat im vorderen Zugteil eine kleine Explosion gegeben. Die Lage scheint unter Kontrolle, aber wir müssen den Zug evakuieren. Dann werden wir gemeinsam dem Fluchtweg zurück zur letzten Station folgen.“

Der Angestellte der U-Bahn-Gesellschaft blickt in teils entsetzte, teils ungläubige Gesichter. Keiner rührt sich.

Angestellter: Keine Angst, es ist nur ein knapper Kilometer.

Die Ruhe bricht. Mehrere Personen setzen dazu an Fragen zu stellen. Es wird durcheinander gerufen.

Jemand schreit: „Das war ein Terror-Anschlag!“

Angestellter (nachdrücklich): Es hat keinen Sinn zu spekulieren. Verlassen Sie jetzt den Wagon. Beeilen Sie sich!