Dienstag, 31. Dezember 2013

Der Anruf


"Teil 36"


Jasmin: Was? … Was meinst du?

Anny klammert sich an einen Haltegriff und bedeutet Jasmin es ihr gleich zu tun.
Gerade als J den Griff mit ihrer Rechten umschließt, geht ein Ruck durch den Wagon. Die Bremsen quietschen – ein Notstopp!
Einige Fahrgäste werden nach vorne geschleudert. Chaos bricht aus.

Anny und Jasmin konnten sich gerade so auf den Beinen halten. Sie blicken sich an. Ihnen ist klar, wer für dieses Chaos verantwortlich ist. Angst ist aus den Gesichtern der Beiden abzulesen.

Plötzlich ein Knirschen in der Lautsprecher-Anlage: „Achtung, das ist keine Übung! Benützen Sie die Not-Ausstiege, folgen Sie den markierten Fluchtwegen und achten Sie auf die Anweisungen des Zugpersonals.“

Während das Tonband diese Anweisungen wieder und wieder abspielte, hatten sich die Türen des U-Bahn-Zuges automatisch geöffnet. Die Garnitur stand mitten in einem nur spärlich beleuchteten Teil des Tunnels.

A und J blicken sich immer noch wie versteinert an. Die ersten Leute treten bereits in das Dunkel hinaus. Menschen sind verletzt. Einige können nur mit der Hilfe anderer aussteigen. Ein Mann mit einer stark blutenden Platzwunde taumelt an ihnen vorbei. Kinder weinen. Ein heilloses Durcheinander.

A: Oh Gott, was ist hier los? Was soll das?



Montag, 23. Dezember 2013

Der Anruf


"Teil 35"


Anny und Jasmin befinden sich nach wie vor in der U-Bahn. Der Zug fährt mit hoher Geschwindigkeit und ist gut gefüllt.

Jasmin: Du meinst also, der Typ der dich angerempelt hat, hat das nicht zufällig getan?

Anny: Überleg mal, der Kerl rennt mich fast über den Haufen und keine fünf Minuten später klingelt ein Handy in meiner Tasche, das ich noch nie zuvor gesehen hab. Das ist kein Zufall!

J: Okay, das klingt … halbwegs plausibel. Aber was sollen wir jetzt mit dem Teil?

Dabei hält J das Smartphone vor sich und blickt es fragend an. Sie hält das Telefon mit einem gewissen Abstand zu ihrem Körper, ganz so, als wäre es ein stinkender Fisch.
A: Kannst du nachsehen, wer uns gerade angerufen hat?

J: Warte.

Jasmin tippt auf dem Touchscreen herum und setzt einen enttäuschten Blick auf.

J: Die Nummer wurde unterdrückt.

A: Wäre wohl auch zu einfach gewesen.

Plötzlich läutet das Mobiltelefon erneut. Fast hätte es J fallen gelassen, so erschrocken ist sie.

J: Du hast eine SMS bekommen.

A: Wohl eher wir. Lies vor.

J liest erst einmal leise. Sie wirkt verwundert.

J liest laut: Der rote Blitz kommt schnell zum stehen / Ich hoffe, ihr werdet euch gut vorsehen / Sucht guten Halt und macht euch bereit / Die Zeit des Handelns, gleich ist es so weit.

A: Was … ?

J: Ich hab keine Ahnung!

Die Beiden sehen sich entgeistert an.

A: Verdammt! Halt dich fest!