Mittwoch, 11. Januar 2012

Der Anruf

"Teil 19"

Vor einigen Monaten hatte sie sich eine Verletzung am Ringfinger der linken Hand zugezogen. Nichts Schlimmes, nur eine kleine Schnittwunde. Die Verletzung war nicht allzu tief und hatte schnell wieder zu bluten aufgehört, aber davor hatte sie es geschafft, ihren nagelneuen Rock, ihre Bluse und sogar ihre Socken mit Blut zu besudeln. Das war das erste Mal, soweit sie sich erinnerte, das Blut auf ihre Kleidung gekommen war. In den Tagen darauf, musste sie die Erfahrung machen, dass es verdammt schwer war, die hartnäckige, bräunlich-rote Flüssigkeit wieder aus den Kleidungsstücken zu bekommen. Ihre Bluse hatte sie wegschmeißen können.

Hier, mitten in diesem Café, wurde ihr eines unwiderruflich bewusst. Sie brauchte dafür keine Labor-Untersuchung und keinen DNS-Test. Der Fleck auf diesem Sakko war Blut. Und dieses Blut gehörte Matthew Evans. Er war entführt worden. War vermutlich verletzt, vielleicht bereits tot … und … derjenige, der diese Tat begangen hatte, hatte es nun auf sie abgesehen.

Dieser Gedanke jagte durch ihren Kopf wie ein wildgewordener Stier durch eine Arena. Sie versuchte sich zu beruhigen. Sie stand mitten in einem Café, atmete schwer, musste sich an ihrem Tisch abstützen, um nicht vollkommen das Gleichgewicht zu verlieren.

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