"Teil 23"
Im Internet kann man manchmal mehr Infos über bestimmte Leute finden, als man gemeinhin glauben möchte. Inzwischen wusste sie beträchtlich mehr über diesen Matthew Evans, als noch vor wenigen Stunden. Unter anderem seine aktuelle Wohnadresse. Einerseits hielt sie es zwar für keine besonders weise Idee, einfach so bei der Wohnung eines ihr gänzlich Unbekannten aufzutauchen, auf der anderen Seite war es im Moment die einzig nützliche Idee, die ihr einfiel. Also beschloss sie nach der Arbeit nur einen kurzen Sprung nach Hause zu fahren, um zu duschen und die Sachen zu wechseln.
Auf ihrer Fahrt zur Wohnung des Entführungsopfers versuchte sie ihre Nerven so gut wie möglich im Zaum zu halten. Sie hatte zwar nicht das Gefühl verfolgt zu werden, aber zu sicher wollte sie sich in dem Punkt nicht sein. Regelmäßig riskierte sie einen Blick über ihre Schulter.
Der unheimliche Irre war aber nicht das Einzige worüber sie sich Sorgen machte. Was sollte sie der Polizei erzählen, wenn sie erneut einem Streifen-Beamten in die Hände lief. Was, wenn es vielleicht sogar derselbe vom letzten Mal war? So viel Glück würde sie garantiert nicht noch einmal haben. Sie hätte wohl ziemlichen Erklärungsnotstand gegenüber den Detectives. Und das, was sie zu sagen hatte, hörte sich auch nicht gerade wie eine Offenbarung an. Eher wie die wirre Lügengeschichte einer armen Geisteskranken.
Der Polizei einfach die Wahrheit zu erzählen war ihr zwar mehrmals in den Sinn gekommen, aber irgendwie schien ihr der Zeitpunkt für dieses Vorhaben noch nicht gekommen.
Sonntag, 22. April 2012
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