Samstag, 11. Juni 2016

Der Anruf


"Teil 61 - Finales Finale"


War das sein ernst? Anny sah an der Bar genau zwei Typen mit Cowboyhut. Einer hatte erkennbar Übergewicht, es musste also der andere gemeint sein. Sie musste näher heran, um mehr zu erkennen.

SMS: Du hast noch eine Minute um ihn anzusprechen!

Sie ging auf den Mann zu und hielt dann doch wieder inne. In zwei Metern Entfernung war sie stehen geblieben. Mit ihrem Blick bohrte sie ihm ein Loch in den Rücken. Plötzlich wandte er sich um, er schien die Blicke gespürt zu haben. Sie fühlte sich ertappt und wich seinem Blick aus.

Mann: Was`n los Kleine?

Anny wusste nicht so recht, was sie antworten sollte. Alles kam ihr irgendwie dumm vor. Sie rang nach Worten.

Anny: Kommen sie mit mir zum Hinterausgang. Wir müssen reden.

Der Mann musterte Anny von oben bis unten. Er zögerte für einige Sekunden.

M: So einer schönen Lady kann ich doch nicht widersprechen. Ich folge dir, wohin du willst.

Anny hat schon zuvor die Tür zum Hinterausgang erspäht. Es waren, seit sie die Bar betreten hatte, bereits mehrere Männer durch die Tür an der Rückseite verschwunden und zum Teil wieder aufgetaucht. Manche waren vielleicht nur Pinkeln gegangen, andere schienen nicht ganz offizielle Geschäfte im Dunklen hinter dem Gebäude abzuwickeln.

Sie ging schnurstracks auf die Tür zu, der Mann mit dem Hut folgte ihr auf dem Fuße.
Mit Schwung stieß sie die Tür auf und trat in die Nacht hinaus. In die inzwischen kälter gewordene Luft. Ein dunkler Hinterhof wurde, nur zum Teil, sichtbar. Der Cowboy war knapp hinter ihr. Hinter ihm fiel die schwere Metalltür wieder ins Schloss.
Niemand anderer war hier, soweit sie das sehen konnte.
Sie stand ihrer neuen Bekanntschaft nun direkt gegenüber. Er lächelte erwartungsfroh.

A(ungeduldig): Also, was haben sie mir zu sagen?

M(grinsend): Was meinst du? Du hast mich doch hier rausgelockt.

Mit diesen Worten rückte er Anny etwas näher und versuchte sie mit einem Arm an sich zu ziehen.
A wich aus und versuchte, mit einem Schritt rückwärts, den Annäherungsversuch abzuwehren.

A(verunsichert): Das ist wohl ein Missverständnis. Ich suche nach einem bestimmten Mann...

M(wieder etwas näher heranrückend): Ich kann genau der richtige Mann für dich sein.

A: Sind sie Chuck?

Er sah sie aus dumpfen Augen an.

Anny sah sich nach einem Ausweg um. Der Ausgang Richtung Seitengasse war durch ihren aufdringlichen Begleiter versperrt. Der einzig andere Weg führte zurück in die Bar, aber die Tür schien ins Schloss gefallen zu sein. Falls sie es versuchte und die Tür sich nicht öffnen ließe, dann hätte sie ihren Verfolger im Rücken und keine Möglichkeit mehr zur Flucht.
Anny versuchte es erneut mit Worten.

A: Ich bin hier verabredet. Sozusagen ein Blinddate. Ich habe sie offenbar verwechselt.

M rückte ihr Schritt für Schritt näher und trieb sie damit sozusagen in die Enge.

M(grinsend): Das ist doch völlig egal. Jetzt sind wir beide hier und sollten Spaß miteinander haben.

Mit Vernunft war dem Kerl wohl nicht beizukommen.

A: Ich hab mich wohl nicht klar genug ausgedrückt. Ich will nichts von ihnen, also bleiben sie mir vom Leib!

Mit diesen Worten drehte Anny sich um und ging zurück zur Lokaltür. Sie zog daran, aber konnte sie nicht öffnen. Aus den Augenwinkel konnte sie erkennen, dass der Mann direkt hinter ihr war. Sie hämmerte gegen die Tür, war sich aber gleichzeitig im Klaren darüber, dass ob des Lärms der Musik im Inneren des Lokals wohl kaum jemand etwas davon mitbekommen würde.
Gerade in dem Moment, als sie sich erneut umdrehen wollte, legte der Mann ihr einen Hand auf die Schulter und versuchte erneut, sie an sich zu ziehen. Sie wand sich aus seinem Griff und versuchte seitlich an ihm vorbeizukommen, aber das misslang. M stieß sie nieder und war plötzlich über ihr. Jetzt ging alles verdammt schnell.
Sie versuchte zu überlegen, aber ihr Kopf schien im Leerlauf. Plötzlich schwang die Metalltür hinter den Beiden auf, eine Gestalt erschien im Hinterhof und warf sich auf Annys Angreifer.
Der Retter verpasste dem Cowboy einen Schwinger und der sackte sofort regungslos zusammen. Erst jetzt erkannte Anny den Mann, der sie im Lokal angesprochen hatte und der sie auf einen Drink einladen wollte.
Er streckte ihr die Hand entgegen und half ihr auf die Beine.

Anny(auf wackeligen Beinen): Danke!

Retter: Wir sollten wieder hinein gehen. Hier draußen ist es nicht sicher, Anny.

Noch bevor Anny wusste wie ihr geschah, wurde ihr ein Tuch gegen den Mund gedrückt. Sie versuchte sich zu wehren, aber schnell wurde alles um sie herum schwarz. Anny verschwand in der Dunkelheit.


- Ende -


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